Wann kommt es zur Klage auf Festanstellung?
In der Praxis entsteht eine solche Situation häufig schneller als gedacht. Ein Zeitarbeitnehmer macht geltend, dass er rechtlich längst beim Entleiher fest angestellt ist – und klagt auf Feststellung dieses Arbeitsverhältnisses.
Typische Auslöser sind:
- Überschreitung der Höchstüberlassungsdauer (in der Regel 18 Monate)
- Einsatz ohne gültige Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis
- Scheinwerkverträge, die tatsächlich Arbeitnehmerüberlassung darstellen
Gerade bei der Dauer gilt: Es kann extrem schnell gehen. Bereits der erste Tag nach Ablauf der zulässigen Überlassungszeit kann dazu führen, dass das Arbeitsverhältnis automatisch auf den Entleiher übergeht. In der Praxis reicht sogar die erste Sekunde nach Ablauf der Frist oder der Einsatz ohne Erlaubnis aus, um diesen Übergang auszulösen.
Was bedeutet „Klage auf Festanstellung“ rechtlich?
Wichtig zu verstehen: Der Arbeitnehmer klagt in der Regel nicht darauf, eingestellt zu werden. Vielmehr handelt es sich um eine sogenannte Feststellungsklage.
Das bedeutet:
- Das Arbeitsverhältnis soll nicht erst begründet werden
- Es soll festgestellt werden, dass es bereits besteht
Juristisch geht es also um die Klärung eines bereits eingetretenen Zustands. Ähnlich wie bei einer Kündigungsschutzklage wird festgestellt, ob ein bestimmtes Rechtsverhältnis wirksam ist oder nicht.
Welche Möglichkeiten haben Sie als Unternehmen?
Wenn ein Zeitarbeitnehmer auf Festanstellung klagt, gibt es keine pauschale Lösung. Es kommt immer auf den konkreten Einzelfall an. Grundsätzlich stehen Ihnen aber folgende Optionen offen:
- Festanstellung akzeptieren: Wenn die Rechtslage eindeutig ist oder Sie den Mitarbeiter ohnehin übernehmen möchten
- Klage abwehren: Wenn Zweifel bestehen, ob tatsächlich ein Übergang des Arbeitsverhältnisses vorliegt
- Vergleich schließen: Oft sinnvoll, um Kosten und Risiken zu begrenzen
Die entscheidende Frage lautet: Stimmt das, was der Arbeitnehmer behauptet? Genau hier beginnt die juristische Prüfung. Dabei spielen auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle – insbesondere die Frage, welches Kostenrisiko Sie im Streitfall tragen wollen.
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Typische Fehler mit großer Wirkung
Viele Verfahren entstehen durch vermeidbare Fehler. Besonders kritisch sind:
- Unklare Vertragskonstruktionen (z. B. Werkvertrag statt echter Arbeitnehmerüberlassung)
- Fehlende oder fehlerhafte Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung
- Fehlendes Monitoring der Einsatzdauer
Um solche Fehler von Anfang an zu vermeiden, ist es entscheidend, die vertraglichen Grundlagen sauber aufzusetzen: Arbeitnehmerüberlassungsvertrag und Leiharbeitsvertrag: Was muss enthalten sein?
Gerade bei sogenannten Scheinwerkverträgen gilt: Wenn tatsächlich eine Eingliederung in den Betrieb vorliegt, kann bereits ab dem ersten Einsatztag ein Arbeitsverhältnis entstehen.
Um typische Risiken frühzeitig zu erkennen und zu umgehen, empfiehlt sich ein strukturierter Überblick über häufige Fallstricke: Vertragsfallen in der Arbeitnehmerüberlassung vermeiden: Rechtliche Vorgaben im Überblick.
Umgekehrt gibt es in bestimmten Konstellationen Möglichkeiten, den automatischen Übergang zu verhindern (z. B. durch eine sogenannte Festhaltenserklärung) – diese greifen jedoch nur unter engen gesetzlichen Voraussetzungen.
Warum schnelles Handeln entscheidend ist
Wenn Sie eine Klage erhalten, müssen Sie reagieren – und zwar strukturiert und mit klarem Blick auf das Prozessrisiko. Es geht nicht nur um arbeitsrechtliche Fragen, sondern häufig auch um wirtschaftliche Folgen.
Sie sollten insbesondere:
- den konkreten Einsatz des Mitarbeiters prüfen
- Verträge und Einsatzzeiten analysieren
- das Prozessrisiko realistisch bewerten
Eine fundierte Einschätzung bekommen Sie nur mit spezialisierter Unterstützung. Ein erfahrener Anwalt für Arbeitnehmerüberlassung kann bewerten, ob ein Arbeitsverhältnis tatsächlich entstanden ist und wie Sie am besten reagieren.
Wichtig: Nicht in jedem Fall ist eine Festanstellung überhaupt im Interesse des Arbeitnehmers – etwa wenn die Bedingungen in der Zeitarbeit (z. B. Vergütung) attraktiver sind.
Fazit: Kleine Fehler, große Konsequenzen
Die Klage auf Festanstellung ist in der Zeitarbeit kein Randthema, sondern ein reales Risiko für viele Unternehmen. Entscheidend ist: Oft ist die rechtliche Folge bereits eingetreten, bevor überhaupt jemand darüber spricht.
Ob Sie den Mitarbeiter übernehmen müssen oder sich erfolgreich verteidigen können, hängt vom Detail ab. Genau deshalb sollten Sie solche Fälle nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern frühzeitig rechtlich prüfen lassen.

